Unsere Füße haben sich im Laufe der Zeit wahrlich zu einem architektonischen Meisterwerk entwickelt. Sie tragen unser gesamtes Gewicht – beim Springen sogar ein Vielfachen davon -, bringen uns überall hin und tragen zur Stabilität im Stand oder in Bewegung bei. Sie sind unsere Kontaktstelle zum Boden – unsere stabile Basis. Zumindest in der Theorie, denn unser moderner Lebensstil – insbesondere das moderne Schuhwerk – denaturalisieren unsere Füße mehr und mehr.

Wir leiden in der Folge vermehrt an Beschwerden im Fuß , den Knien oder Hüften. Das Wiederherstellen und Erhalten gesunder Füße sollte immer als Erstes in Betracht gezogen werden und ist in der Tat simpel: Nutze deine Füße wie und wofür sie gemacht wurden. Bedeutet: Verbringe so viel Zeit wie möglich Barfuß oder barfußähnlich. Nutze das Wunderwerk Fuß so natürlich wie möglich.

Mit dem einfachen Spruch „Füße Für Dein Wohlbefinden (FFDW)“ wirst du verstehen, worauf es bei Schuhen ankommt und warum du deiner Gesundheit damit auf lange Sicht guttust. Warum es wichtig ist, nicht einfach irgendwelche toll aussehenden Schuhe zu kaufen, möchte ich mit folgendem Beispiel zum Einstieg verdeutlichen:

Überlege einmal wie viele Stunden du am Tag in Schuhen verbringst? Oder anders: wie viele deiner Gesamtschritte an einem Tag in Schuhen erfolgen. Jeder Schritt zählt und wirkt sich auf unseren Körper aus. Läuft du beispielsweise deine empfohlenen 10.000 Schritte an einem Tag, sind das 10.000 Wiederholungen einer einfachen Bewegung (ähnlich der Wiederholungen einer jeden Kraftübung im Gym). Da unser Körper durch Wiederholungen lernt, sollten deine Bewegungen qualitätiv nicht beeinträchtigt werden. Das Natürlichste für deine Füße wäre barfuß. Im Alltag lässt sich das jedoch nur schwer umsetzen. Wir müssen unsere Füße vor Schnitten, Schrammen oder extremen Temperaturen schützen. Aus diesem Grund tragen wir Schuhe. Nein… aus diesem Grund sollten wir Schuhe tragen.

Unsere Wahl fällt jedoch nicht auf Schuhe die unseren Fuß in seiner natürlichen Funktion unterstützen, sondern jene, die gut aussehen (Fashion). Auch medial wird und versprochen durch die neueren Schuhe noch bessere Höchstleistungen zu erzielen: Wir schwören auf Polsterung unter der Ferse oder Laufen auf Luft, damit wir besser, schneller oder sicherer Laufen können. Mittlerweile wird sogar Metall in der Fußsohle integriert, damit wir bei jedem Schritt wie gefedert abspringen. Doch zu welchem Preis?

HIGH TECH SCHUHE – LOW TECH FÜßE

Je mehr Aufgaben deine Schuhe für dich übernehmen, desto weniger werden deine Füße tun.

(Worst case) Du blickst nach unten auf einen eher dünnen, flachen Fuß. Der große und kleine Zeh schieben sich langsam in Richtung der anderen Zehen (oder sind bereits dort) – Stichwort Ballenzehe, Hallux valgus. Kurz: Dein Fuß sieht aus, wie der Schuh den du tagtäglich trägst. Deine Knie- oder Hüftprobleme sind auch nicht wirklich besser geworden seitdem du „technologisch hochwertige Schuhe“ oder Einlagen trägst? Vielleicht ist es an der Zeit etwas zu ändern.

Dein Fuß passt sich seinem Umfeld an: Lebt er in einem engen Schuh ohne Bewegungsspielraum wird er ein Meister darin steif, schmal und unbeweglich zu sein. Das ist ja sein Job und den macht er herausragend gut. Das Problem: er wurde konzipiert sich zu bewegen, dich in Bewegungen zu stützen und zu kommunizieren. Die Folge: ohne Informationen über die wahre Bodenbeschaffenheit ist die sicherste Entscheidung vom Gehirn an deinen Fuß, die Spannung zu erhöhen. So ist er sicherer. In weiterer Folge bedeutet Spannung wenig Bewegung und eine enge Zehenstellung bedeutet Instabilität.

Wie kann ich meine Füße auch in Schuhen gesund und natürlich halten? Entscheide dich in erster Linie für einen Schuh, der die Funktion deiner Füße erhält und nicht für den, der am schönsten aussieht. Für dich gilt ab sofort: „Füße Für Dein Wohlbefinden“ , denn die Anfangsbuchstaben FFDW stehen für:

FLACH, FLEXIBEL, DÜNN & WEIT

F FÜR FLACH

Vorderfuß und Ferse befinden sich auf der selben Höhe. Diese Höhendifferenz wird auch als Sprengung bezeichnet. Im Laufsport soll eine Sprengung zum Einen für einen angenehmes Landen sorgen – oftmals in Verbindung mit dicker Polsterung unter der Ferse, zum Anderen sorgt der Keil unter dir für eine Vorwärtsverschiebung deines Gewichts – Antrieb. Mit Sicherheit hat alles seine Daseinsberechtigung. Aber zu welchem Preis?

Gewichtsverlagerung und Gelenkausrichtung ohne (links) und mit erhöhten Fersen (rechts). In welcher Position wirst du mehr Kraft kreieren und deinen Körper stabil halten können?

Meine Erfahrung: Als Coach für Beweglichkeit und Bewegungen weiß ich: Wenn die Haltung vor der Bewegung nicht gut aussieht, wird es die Bewegung auch nicht. Eine dauerhaft erhöhte Fersenposition lehrt den Körper diese Position sei „normal“ und die Haltung wird angepasst. Ob du nun Schuhe trägst oder nicht. Ein dauerhaft nach vorn gekipptes Becken oder / und eine überstreckte Lendenwirbelsäule können die Folge sein. Mein Tipp: verbringe so wenig bis gar keine Zeit in Schuhen, die deine Biomechanik negativ beeinflussen können.

F FÜR FLEXIBEL

Möglichkeit zum Beugen, Drehen und Zusammenrollen. Was der Schuh nicht kann, wird der Fuß erst recht nicht können. Je mehr Bewegung der Schuh zulässt, umso mehr Stabilität und Kraft ist es dem Fuß über die Zeit möglich zu erlangen. Das ist eine Veränderung, die zu Beginn herausfordernd sein kann.

oben: meine Schuhe für den Alltag – unten: warme Schuhe zum Wandern

Meine Erfahrung: Die Umstellung auf Barfußschuhe sollte schrittweise erfolgen. Dein Fuß ist es nicht gewohnt so sehr auf die eigene Kraft und Stabilität angewiesen zu sein. Weniger stützende Elemente in einem Schuh bedeuten mehr Arbeit für dich. Zu Beginn kann es vorkommen, dass du Muskelkater von Laufen in natürlichem Schuhwerk bekommst und genau das zeigt dir, dass du dabei bist Kraft und Stabilität zurückzugewinnen.

D FÜR DÜNNE SOHLE

Je mehr „Zeug“ zwischen dir und dem Boden, desto weniger Input für dein Gehirn. Dies erzeugt vermehrte Spannung in den Muskeln des Fußes und vermindert die Stabilität deines gesamten Körpers. Stell dir vor, du rollst deine Fitness-Matte zusammen, stellst dich mit einem Fuß drauf und versuchst das Gleichgewicht zu halten. Genau das passiert, wenn du auf dicken weichen Sohlen läufst – mit jedem Schritt. Zudem wird oftmals das Fußgewölbe bei solchen Sohlen unnötig gestützt – was Auswirkungen bis hoch in deine Hüfte hat. Obwohl dein Untergrund weicher wird, werden deine Füße fester und deine Fußgewölbe kollabieren („Plattfuß“). Vielleicht verspürst du ab und an Knie- oder Hüftbeschwerden? Dein Schuhwerk kann der Grund sein. Teste es doch mal aus – du kannst nichts verlieren.

links: schwacher platter Fuß – rechts: Fuß mit starkem Gewölbe

Meine Erfahrung: Du wirst es als anders empfinden zu Laufen, denn du spürst jeden Schritt. Genau Das ist gewollt und dein WIN, denn du wirst automatisch deine Bewegung anpassen – ruhig, gleichmäßig und ohne heftige Stöße auf den Boden. Dein Fuß beginnt natürlich mit dem Boden zu interagieren. Starte mit einer halben Stunde und steigere nach eigenem Empfinden die Tragezeit. Im wahrsten Sinne Schritt für Schritt. In Bezug auf die Abbildung und zur weit verbreiteten Annahme ein „Plattfuß“ sei genetisch bedingt: Es ist jeder Person möglich, das Fußgewölbe zu aktivieren und einen Bogen zu kreieren. Dies geschieht durch eine funktionierende Hüfte und bewegliche, natürliche Füße.

W FÜR WEITE ZEHENBOX

Der weiteste Punkt natürlicher und gesunder Füße ist die Spanne der Zehenspitzen. Schuhe sollten eine weite Zehenbox besitzen, sodass du den Rand deiner Schuhe mit den Zehen nicht berühren kannst. Je weiter die Auflagefläche eines Gegenstandes am Boden, desto stabiler der Stand. Deine Füße sind dein Fundament am Boden. Stelle also sicher, dass dein Fundament stabil steht.

Welchen Schuh aus dieser Abbildung ich wohl (mittlerweile) nicht mehr trage?

Meine Erfahrung: nicht einmal ein halbes Jahr nach dem Wechsel auf Barfußschuhe war mir das andere Paar Schuhe (Abbildung rechts) schlichtweg zu eng. Schade um die Schuhe, aber ein super Gefühl – vor allem in den Füßen. Und darum geht es mir letztendlich und hoffentlich auch bald dir.

Es gibt mehr und mehr Hersteller für natürliche / barfuß-ähnliche Schuhe. Sie schützen ohne zu stützen und erlauben dir deinen Fuß in seiner Komplexität zu nutzen, ohne ihn einzuschränken.

Da wir Menschen jedoch Gewohnheitstiere sind und niemand erwarten kann, dass du dein komplettes Schuhregal aussortierst und neu auffüllst, ist mein wertvollster Tipp an dich:

Entscheide dich fortan mit jedem Schuhkauf für einen Schuh, der FFDW konformer ist als der Vorherige.

Für die Gesundheit deiner Füße. Für deine Gesundheit.

– Coach Mike